Subarachnoidalblutung

Eine Subarachnoidalblutung verändert alles

Die Diagnose Subarachnoidalblutung hat für mich als Angehörigen so einiges geändert aber zum Glück nicht alles. Ich wünsche euch und euren Angehörigen an dieser Stelle alles Gute.

Was für eine schreckliche Nachricht, Subarachnoidalblutung. Wäre ich mal an diesem Tag nicht aufgestanden lässt sich so leicht sagen. Eine Hirnblutung stellt man fest, in dem der Angehörige oder man selbst einen vernichtenden Kopfschmerz verspürt. Also einen Schmerz den man noch nie in seinem Leben gehabt hat. An dieser Stelle kann ich euch nur raten, diese Person sofort zu Packen und ab in die nächste Klinik fahren und der Notaufnahme genau zu schildern, was passiert ist, denn es kommt jetzt auf jede Minute an.

Eine Hirnblutung kann über ein CT (Computertomographie) festgestellt werden. Ich meine, dass jede Klinik inzwischen über ein CT verfügt, dass sie in der Lage sein sollte eine Hirnblutung zu erkennen. Allerdings muss auch die Lokalisation der Hirnblutung erfasst werden und hier könnte es sein, dass man in eine Speziallklinik (z.B. Duisburg Fahrn, Uniklinik Essen) gebracht wird, wo CTs zu Verfügung stehen, welche in der Lage sind Gefäßdarstellung anzuzeigen.

Was ist eine Subarachnoidalblutung?

Von einer Subarachnoidalblutung (SAB) wird gesprochen, wenn das Blut in dem sogenannten Subarachnoidraum des Hirns gelangt. Eine Subarachnoidalblutung kann durch verschiedene Arten entstehen. Sei es ein heftiger Stoß des Kopfes oder ein angeborenes Aneurysma. Diese Art der Hirnblutung wird mit Hilfe eines CTs von der Radiologie lokalisiert und anschließend mit der Neurologie besprochen, wie diese zu behandeln sein wird.

Sehr schön fand ich, dass mich die Klinik Ärzte hereingebeten haben und mir die CT Bilder mit der Subarachnoidalblutung zeigten und wie diese verschlossen werden sollte.

Übrigends wird die Subarachnoidalblutung in fünf Grade (Hunt und Hess) eingeteilt und können in Bezug gesetzt werden mit dem Punktewert der Glasgow-Coma-Skala.

  1. Hunt und Hess Grad 1: keine oder nur leichte Kopfschmerzen. GCS-Wert 15

  2. Hunt und Hess Grad 2: starke Kopfschmerzen und noch keine Nervenstörungen oder Bewusstseinsveränderungen. GCS-Wert 13-14

  3. Hunt und Hess Grad 3: Benommenheit und leichte neurologische Ausfälle (Lähmungen). GCS-Wert 13-14

  4. Hunt und Hess Grad 4: tiefer Schlaf und starke Lähmungen. GCS-Wert 7-12

  5. Hunt und Hess Grad 5: Koma, Pupillen reagieren nicht mehr auf Licht. GCS-Wert 3-6

Behandlung der Subarachnoidalblutung

Eine Subarachnoidalblutung kann, so wie man mir erklärt hat auf zwei verschiedene Arten operiert werden. Hier stelle ich euch kurz die zwei Verfahren vor, wobei in unserem Fall sich für die Clipping Methode entschieden wurde, aufgrund der Lokalisation der Blutungsquelle.

Subarachnoidalblutung Coiling Methode

Bei der Coiling Methode wird ein Katheter über die Leistenarterie bis zum Aneurysma durchgeschoben und die Blutungsquelle durch den Coil (sehr feine Platinspirale) gestopft. Dieser Eingriff wird von einem Neuroradiologen durchgeführt und ist im Endeffekt risikoärmer als die folgende Clipping Behandlung. Ein Nachteil der Coiling Methode ist allerdings, dass man nicht ganz garantieren kann, dass die Blutungsquelle komplett verschlossen wird. Daher wird es so sein, dass in den nächsten Monaten man öfters zur Angiografie muss. Dies ist eine Nachuntersuchung, in der mittels Kontrastmittel die Gefäßdarstellung inkl. einer möglichen Blutungsquelle gezeigt werden kann.

Subarachnoidalblutung Clipping Methode

Bei der Clipping Methode wird im Endeffekt eine oder auch mehrere Klammern eingesetzt, welche die Blutung des Aneurysmas stoppen sollen. Allerdings muss hierfür die Schädeldecke geöffnet werden und man operiert am offenen Gehirn. Diesen Eingriff führen im Gegensatz zum Coiling Neurochirurgen durch. Wichtig ist, dass man erst operieren kann oder zumindest darf, wenn keine Vasospasmen vorhanden sind. Also entweder innerhalb der ersten beiden Tage seit der Blutung (Haemorrhage) oder erst wesentlich später.

Bei der Clipping Methode sollten gerade die Angehörigen stark sein. Direkt nach der OP kann es dem Patienten gut gehen, aber bereits nach dem zweiten Tag wird das Gesicht anschwellen und sich in der nächsten Zeit sogar so verstärken, dass man unter Umständen die Augen des Patienten nicht mehr wird sehen können. Ich kann euch aber alle beruhigen, diese Schwellungen sind ganz normal und gehen auch recht schnell wieder zurück.

Vasospasmen nach der Subarachnoidalblutung

Ich möchte nicht sagen, dass eine Subarachnoidalblutung einfach wieder zu verschließen ist, aber ich kann euch allen den Rat geben, dass ihr hier den Neurologen oder Neurochirurgen vertrauen solltet. Es ist ein schwerer Eingriff, das wird man den Betroffenen und deren Angehörigen gesagt haben. Aber die Subarachnoidalblutungen können gestoppt werden.

Nur dann folgen für alle die kritischen 21 Tage. Denn während dieser Zeit können Vasospasmen auftreten. Die Vasospasmen (sofern es mehrere) verursachen an verschiedenen Stellen im Gerhin die nicht unbedingt operiert worden sind eine Art von Krämpfen. Ihr müsst euch das so vorstellen, dass der Vasospasmus zittert und das Blutgefäß zusammen drückt. Tritt der Vasospamus ein, kann man die Krämpfe mit einem Medikament versuchen zu lindern (aufpassen, sie werden nicht gestoppt). Es kann vorkommen, dass dies allerdings nicht funktioniert, dann bleibt nur noch die Möglichkeit den Bluthochdruck zu erhöhen. Also im Endeffekt so viel Blut durch die Arterien zu jagen, dass alle entstandenen Vasopasmen wenig Möglichkeit erhalten die Arterie zu schließen. Sollte es den Vasospasmen doch gelingen die Arterie auch nur für eine kurze Zeit zu verschliessen, kann es zu Lähmungen führen welche allerdings nicht von Dauer sein müssen!

Sprecht hier mit dem Neurologen oder Neurochirurgen. Sie haben mir viel Kraft und Mut gegeben.

Worauf sich gerade Angehörige einstellen sollten ist, dass der Patient womöglich in ein künstliches Koma geschickt wird, um den Bluthochdruck besser zu regeln ohne dass sich der Patient z.B. unnötigt aufregt und der eh erhöhte Bluthochdruck zu weitere Schäden führen kann. In der Zeit der künstlichen Komas muss der Patient beatmet werden. Der Schlauch des Beatmungsgerätes (orale Beatmung) kann allerdings max. 10 Tage bleiben, dann müssen die Angehörigen (Patientenverfügung) einem Luftröhrenschnitt zustimmen, ansonsten bleibt die Gefahr, dass es im Rachenraum zu weiteren Schäden kommen kann. Der Luftröhrenschnitt wird daher unter dem Kehlkopf angesetzt. Dies klingt gerade für die Angehörigen sehr schlimm an, aber ich kann euch sagen, dass es für den Patienten, soweit ich es zumindest beuurteilen konnte, eine Erleichterung ist.

Die Zeit nach den Vasospamen

Die Neurologen und Neurochirurgen sagen, dass sobald die kritischen 21 Tage nach der Subarachnoidalblutung vergangen und keine Vasospamen mehr zu erkennen sind, dann können die Patienten von der Intensivstation auf eine Art halbe Intensivstation verlegt werden. Dort fängt anschließend die REHA für die Patienten an, welche ganz besonders wichtig ist. Denn die Patienten müssen nicht nur ihre schwache Seite nach eine Hirnblutung trainieren, sondern auch ihre Muskulatur. Diese hat sich in den letzten 3 Wochen aufgrund des Liegens sehr stark verändert und ist extrem schwach. Es kann vorkommen, dass hier die Patienten erst das Laufen lernen müssen. Diese REHA kann bis zu 3 Wochen gehen.

Während dieser Zeit führt die Klinik (in der Regel ist es der Sozialarbeiter der Klinik) mit der zugehörigen Versicherung Gespräche, wohin die Patienten in eine Kur geschickt werden sollte. In der Regel verbringen die Patienten am Kurort weitere 6 Wochen, um ihren Körper, die schwächere Seite aber auch den Geist zu trainieren.

Warum eine Subarachnoidalblutung alles ändert?

Das schlimmste nach einer Subarachniodalblutung ist das Ungewisse und das für alle Beteiligten. Der Patient muss nach seiner Subarachnoidalblutung eh kämpfen. Aber auch wir die Angehörigen haben eine schwere Zeit die alles ändert. Am Anfang funktioniert man. Man spricht mit der Unfall- und/oder Krankenversicherung. Liest sich im Internet alle möglichen Informationen durch. Überlegt, ob man noch in seiner Wohnung oder Haus wohnen bleiben kann. Ist das Auto für die Zukunft noch geeignet. Wie sieht es mit dem Job aus? Wem sagt man überhaupt bescheid, dass jemand mit einer Subarachnoidalblutung im Krankenhaus liegt und dass das schlimmste eigentlich erst nach der OP kommt? Und dann ist da noch die Hoffnung und wie sie langsam verschwindet mit jedem einzelnen Tag, um dann noch vom neuen wieder aufzuerleben.

Mit jedem Tag konnte ich sehen, welche unglaubliche Fortschritte gemacht wurden.

Sollten sich Angehörige im Internet informieren?

Wenn eine Subarachnoidalblutung festgestellt wurde und ihr das Gefühl habt, dass die Klinik alles erdenkliche für den Patienten tut, dann spricht mit den Neurologen und den Neurochirurgen. Natürlich werdet ihr im Internet nach weitere Informationen Ausschau halten, so wie ich es auch gemacht habe. Und ihr werdet sehen, dass im Internet sehr viele Horrorszenarien beschrieben werden. Irgendwann habe ich aufgehört im Internet zu lesen, denn mit der Zeit hat sich ein Arzt herauskristallisiert, zu dem ich eine sehr gute Bindung aufgebaut habe und er mir alle Informationen mit der nötigen Ruhe und Geduld beibringen konnte und das eben auf den Patienten bezogen und nicht auf eine Statistik. Er hat mir nie etwas vorgemacht, aber er hat mich fast jeden Tag auf dem laufenden gehalten wie der aktuelle Zustand ist. Und dies hat mir mehr Sicherheit und Hoffnung gegeben, als alle Subarachnoidalblutung Berichte zusammen.

Also meine Antwort wäre auf die Frage, ob ihr euch im Internet informieren solltet lautet JA, aber stellt Fragen auf die ihr zuerst nicht gekommen seid dem behandelnden Arzt. Er wird euch durch diese schwere Zeit leiten, genau so wie die unglaublichen Pflege Kräfte auf der Intensivstation, welche eine ungemein wichtige Stütze für mich waren.

Ich möchte mich auch hier Bedanken bei allen Freunden und natürlich der Familie, welche mir hier zu Seite stehen. Es ist schön zu wissen, dass jemand für einen da ist.

Nachtrag 20.09.2014

Seit der Subarachnoidalblutung (SAB) im Januar sind es inzwischen unglaubliche 8 Monate vergangen. Wir haben extremes Glück gehabt, um es an dieser Stelle ganz deutlich zu sagen. Wie bereits oben geschrieben, ist die schwerste Zeit nicht die Hirnblutung selbst, sondern die Vasospasmen. Diese sind ein paar Tage nach der sehr erfolgreichen OP eingetreten und lehmten die linke Seite. Es war ein sehr schleichender Prozess. Zuerst habe ich gedacht, dass es nur mit der Schwäche nach der OP zusammen hing aber am nächsten Tag konnte zuerst das Bein nicht bewegt werden und dann auch der Arm nicht mehr. Eine Welt ist für mich zusammen gebrochen.

An dieser Stelle, möchte ich mich nochmal ausdrücklich an alle Krankenpfleger und Ärzte des Klinikums Duisburg-Fahrn bedanken. Vielen Dank, dass ihr mir immer wieder Hoffnung gegeben habt, dass es wieder gut werden kann. Und ihr habt alle Recht behalten.

Das Unglaublichste an einem Gehirn ist, dass es die Fähigkeit besitzt nicht funktionierende Hirnfunktionen durch andere aufzufangen und deren Funktion zu ersetzen. Nach einer Woche im Koma und weiteren 2 Wochen im Bett, konnte tatsächlich der Arm und das Bein wieder bewegt werden. Die nächsten Wochen wurden darauf verwendet, dass man gehen lernen musste. Dies hört sich sehr dramatisch an und ist es auch, aber bei uns haben wir die Verbesserung förmlich von Tag zu Tag gesehen. Die angesagte REHA sollte also noch ein weiterer Schritt sein in der Verbesserung des aktuellen Zustandes. Und die Physiotherapeuten haben einen 1a Job gemacht, während man das vom übrigen Personal nicht gerade behaupten kann.

Ich persönlich werde nicht nochmal jemanden nach Essen Kettwig in die MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr schicken.

Es gab viele Missverständnisse und ich glaube sogar absichtliches Hinhalten oder gar absolutes Desinteresse am Patienten. Wenn man wissen möchte, wie man sich als Kunde anstelle als Patient fühlt, dann waren wir genau dort richtig.
Dies gilt nach wie vor nicht für die Physiotherapeuten. Unglaublich, was der Körper in der Lage ist aufzuholen, wenn er sich wieder bewegen kann.

Nach 3 Wochen in der Klinik war es endlich soweit. Es konnte nach Hause gehen. Was war die Freude doch riesig gewesen und das auf beider Seiten. Zumal körperlich wieder alles fast so war wie früher. Was sich nicht verändert hatte, dass war die Persönlichkeit. Darauf sollte sich jeder einstellen und auch ich wurde in zahllosen Gesprächen mit den Ärzten darauf vorbereitet. Der Mensch ändert sich nicht grundlegend nach einer so schweren Situation wie einer Subarachnoidalblutung. Es ist so, dass er versucht seinen Platz wieder zu finden und eigentlich weiß, dass nichts so sein wird wie es früher einmal gewesen ist.
Dies zeichnet sich vor allem in Form von Antriebslosigkeit ab. Es ist als, ob ein Mensch auf einer Couch sitze und genau so gut hätte es ein in sich zusammengefallteter Lappen sein. Es tut mir leid für den Vergleich, aber eine andere Beschreibung habe ich nicht.
Was ihr dagegen machen könnt? Das ist genau so schwierig zu beantworten wie, ob jemand nach einer Subarachnoidalblutung wieder ein ganz normales Leben leben kann. Ich für meinen Teil habe gewartet und versuchte immer für den Menschen da zu sein. Natürlich habe ich versucht zu animieren etwas zu unternehmen, aber wenn man ganz in sich hineinhorcht, dann war es im Endeffekt Druck ausüben auf jemanden der so verletzlich war. Das wurde mir schnell klar und ich habe in den schlechten Momenten versucht einfach nur da zu sein und in den Glücklichen den Moment solange fest zu halten wie es nur ging.
Jetzt, Monate später ist es nicht mehr. Diese Schwankungen habe ich nun seit Wochen nicht mehr erlebt, was super für mich ist, denn ein wenig egoistisch als Angehöriger will ich auch sein.

Ich möchte euch davon Berichten, dass mit einer SAB Diagnose nicht unbedingt die Welt zusammenbricht, sondern auch sehr gut ausgehen kann. Ich bin froh und freue mich auf weitere Jahre. Es ist da nur noch die eine Sache, die wir erledigen müssen, das Angiom, welches wir im November 2014 durch ein Gamma-Knife Verfahren behandeln lassen wollen. Ich halte euch auf dem laufenden.

Ab hier will ich nicht nur über mich/uns selbst berichten, sondern auch andere spannende Quellen und Berichte auflisten die sich mit dem Thema Subarachnodialblutung (SAB) beschäftigen. Besucht diese Seiten. Kommentiert diese Seiten und teil diese Seiten mit allen anderen. Verbreitet an alle Betroffenen eine Botschaft der Hoffnung.

TomWtal über seinen YouTube Kanal

Den Anfang in meiner Liste macht Tom mit seinem YouTube Video. Seine Lebensgefährtin Cloody erlitt ebenfalls eine Subarachnoidalblutung. In einem einstündigen Video Beitrag erzählt Tom, wie alles anfing. Mit Kopfschmerzen und Übelkeit über die OP bis zu wie es Cloody immer besser ging. Ein wunderbarer persönlicher YouTube Bericht, welcher es verdient angehört und geteilt zu werden. 

Hier das Video direkt:

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=tB4HXzafdDE